Eines Tages war er da: Erasmus von Rotterdam und er lud mich ein mitzukommen... This blog is about my year in Lisbon, the Capital of Portugal

quarta-feira, novembro 08, 2006

Der illegale Chinese

Somewhere in Lisbon, somewhere near Martin Moniz. Von außen nur durch ein an der normalen Wohnungstür befestigtes DinA4 Schild, welches chinesische Buchstaben enthält zu erkennen. Im Treppenhaus ein weiteres Signal per Spraylogo angebracht; der Weg führt also nach oben. Dort angekommen weitere Sicherheit zwecks der Existenz eines chinesischen Restaurants. Ein Duft nach wilden Gewürzen, nach Maio-Than Suppe, nach Peking Ente, nur der Wohnungseingang verwirrt den Glauben. "Natürlich ein illegaler Chinese hantiert im Untergrund." denke ich schnell und werde mir bewusst das das ein verrückteste Etablissment sein wird - Schellen - Ein Mann öffnet - Das internationale Handzeichen, den der illegale Chinese kann kein Portugiesisch, kein Englisch, keine Sprache die wir beherrschen, für Essen ist unsere Eintrittskarte in ein Restaurante mitten in der Wohnung. Warum illegal? Steuern und all der bürokratische Aufwand ein legales Gasthaus zu betreiben ist halt nicht drin für diese (illegalen?) Einwanderer. Das sie welche sind erfahre ich im Gespräch per "Point it". Ich stelle uns vor, Österreich und Deutschland, zeige dabei auf die angefügte Weltkarte; er deutet auf Macao in China. Wer den Link verfolgt, kann ein wenig über die Beziehung Macao - Portugal lernen.

Die Karte kommt - zweisprachig Portugiesisch/Chinesisch - jemand hat sie übersetzt, jedoch scheint er auch keine großen Kenntnisse des Portugiesischen zu haben, denn es finden sich so sonderbare Dinge wie "Fleisch mit Geschmack des Fisches auf der Karte". Getränke haben Buchstaben, Essbare Dinge Zahlen, welche man auf den Block schreibt und bestellt. Im Hintergrund dröhnt CCTV 4, der Raum ist besetzt mit vier Tischen, dazu Hocker, das Interior erinnert an eine Gartenparty. Ich bestelle chinesisches Bier (1€), es gibt auch Superbock doch viel schlimmer kann es nicht sein (0,80€), dazu Reis (0,50€), Suppe (0,50€) und "Schweinefleisch???" (3,50€). Alles Tellerweise, hergestellt in der Küche, welche man natürlich betreten kann, befindet man sich schließlich in einer normalen Mietswohnung. Das Klo ist ebenfalls das normale Wohnungsklo. Der illegale Chinese füllt sich, viele wissen von dieser Einrichtung. Die Behörden jedoch nicht, eine Freundin erzählte mir bei ihrem letzten Besuch war Polizei im Treppenhaus, das ganze Restaurante sollte ruhig sein (das internationale Symbol für leise!). Nichts passierte...
Das Essen kommt, man serviert nicht nach Speisenfolge (also Vor - Haupt - Nachspeise), sondern bringt was fertig ist. Fazit: Habe selten so gut und so preiswert chinesische gegessen. Ein Abenteuer, wobei die Verständigung mit Händen und Füssen und mit "Point It" fungierte.
Als nächstes probiere ich den illegalen "Cap Verdianer", soll ebenfalls ein Hit sein. Hierher komme ich jedoch bestimmt wieder hin. Lissabon ist so verrückt! - Anbei ein paar Fotos:


7 Comments:

Anonymous kekskerl said...

illegaler chinese rocks the house.
und das essen is sogar super- lecker. aber keine eier!!

quinta-feira, novembro 09, 2006 12:34:00 da tarde

 
Blogger timthing said...

Das sieht aber nicht so richtig nach Schwein aus. Eher nach Fleisch mit Geschmack von Hund. Sollen aber sehr nahrhaft sein, unsere besten Freunde. Grandioses Muse-Abenteuer übrigens, Görneboy. Bis dann in ein paar Monaten.

quinta-feira, novembro 09, 2006 11:25:00 da tarde

 
Blogger Görn said...

Ne sieht auch nicht so aus. Man fühlte sich eher wie Toffife essen ohne die Nüsse zu mögen. Musste halt den Knochen rauslutschen..

Aber leckerschmecker

Bis in ein paar/eher einen Monat

Weihnachten ist doch bald glaube ich
Alles Liebe
Jörn

domingo, novembro 12, 2006 6:16:00 da tarde

 
Anonymous Hannes said...

Hey Görn,

bin über Google auf deinen Blog gestoßen und finde diesen illegalen Chinesen sehr interessant, weil meine Vorfahren auch aus dieser Ecke kommen und ich Mamas Küche etwas vermisse.

Könntest du mir vielleicht beschreiben, wie man da hinkommt? Andere illegale Restaurant würden mich natürlich auch interessieren:) Mache hier nun auch ein Erasmusjahr.

Grüße
Hannes

domingo, novembro 25, 2007 10:27:00 da manhã

 
Anonymous Goern said...

Hey Hannes,

irgendwann wurde der illegale Chinese ausfindig gemacht und es hieß man müsse nun Streichen...erstmal geschlossen. ich weiss nicht ob es ihn wieder gibt, aber hier die Beschreibung:

Martim Moniz Metrostation...Die Straße geht von dem Platz weg raus aus der Stadt. Also die lange Straße, rechts und links Geschäfte, die die immer geradeaus geht...du stehst noch auf dem Platz, überkehrst nicht die Straße um in diese lange Straße zu kommen, sondern gehst rechts auf die Straße guckend...den Platz an der Aussenkante entlang. Dann überkehrst du die Straße und siehst eine Straße die in Häusergewirr reingeht....Gehe vom Platz da rein, dann die erste links und eine Hausnummer. Diese weiss ich leider nicht mehr, aber es ist ein chinesisches Zeichen an der Tür. Ebenso im Treppenhaus....Das Restaurant ist ganz oben. Meistens sind Menschen da die überhaupt kein Portugiesisch können, alles per Hand und Fuss und einer tricky Karte....Viel Spass und eine tolle Zeit!

domingo, novembro 25, 2007 11:01:00 da manhã

 
Anonymous Görn said...

Ach ja auf jeden Fall auf der linken Seite der Straße...normales Wohnhaus...Die Straße köpnnte Rua do Benformoso heißen...bin mir nicht mehr sicher!!!! Lecker war es!

domingo, novembro 25, 2007 11:03:00 da manhã

 
Anonymous Hannes said...

Hey Görn,

danke für die Beschreibung. Werde mich die Tage dann mal auf die Suche machen. Hoffe, der existiert noch. Ist das mit dem chinesischen Zeichen ansonsten ein Insider? Ist das die Art und Weise, wie man illegale Chinesen ausfindig machen kann?:) Nur falls, der nicht mehr aufmachen sollte ...

domingo, novembro 25, 2007 1:00:00 da tarde

 

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